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Schriftliche Frage zur Nährwertampel

Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der am 2. Juni 2010 im Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung veröffentlichten Analyse „Nährwertkennzeichnung: Die Ampel erreicht die Verbraucher am besten", die besagt, dass nach empirischen Befunden und theoretischen Erklärungsansätzen die Nährwertampel dem Industriemodell GDA überlegen ist?


Antwort:

In seiner Analyse „Nährwertkennzeichnung: Die Ampel erreicht die Verbraucher am besten", die am 2. Juni 2010 im Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlicht wurde, kommt das DIW zu dem Ergebnis, dass bisherige Studien keinen eindeutigen Schluss darüber zulassen, ob eher die GDA-Angaben oder eher die Nährwertampel zu gesundheitsbewussten Kauf- und Ernährungsentscheidungen von Verbrauchern führen. Empirisch ist eine Vorzüglichkeit der Ampelkennzeichnung aus Sicht des DIW also nicht zu belegen.

In der Folge leitet das DIW aus theoretischen verhaltensökonomischen Erklärungsansätzen ab, dass das Ampelmodell klare Vorzüge aufweise, da Verbraucher bei der Kaufentscheidung Informationen oft nur sehr begrenzt aufnehmen und verarbeiten würden und die Ampel gegenüber der GDA-Kennzeichnung einfacher sei.

Aus verschiedenen Gründen hat sich die Bundesregierung nicht für die Ampelkennzeichnung entschieden; zum einen liegen Bedenken seitens der Ernährungswissenschaft vor: So hat u. a. die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit einer entsprechenden Pressemeldung vom 25. September 2009 auf die fehlende wissenschaftliche Grundlage der Bezugswerte für den Farbumschlag hingewiesen. Zudem wird die Ampelkennzeichnung nach Einschätzung des BMELV dem an sie gestellten Anspruch, einfach und auf einen Blick zu informieren, nicht gerecht:

■    Nach dem britischen Ampelmodell wird nicht das Lebensmittel mit einer Ampelfarbe gekennzeichnet, sondern die vier Nährstoffe Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz. Der Energiegehalt, der nach den im BMELV vorliegenden In-formationen für Verbraucherinnen und Verbraucher die wichtigste Angabe zu sein scheint, wird aber nicht farbkodiert.

■    Da jeder der vier Nährstoffe mit einer eigenen Farbkennzeichnung versehen wird, ist eine einfache Übersicht allenfalls dann gegeben, wenn alle vier Nährstoffe die gleiche Farbkodierung erhalten. Davon ist aber in den seltensten Fällen auszugehen. Bei Vorhandensein aller drei Farben rot-gelb-grün wird eine Einordnung jedoch schwierig. Letztendlich ist in diesem Fall doch eine genauere Auseinander-setzung mit den tatsächlichen Gehalten erforderlich.

■    Die Ampelkennzeichnung bezieht sich auf 100 Gramm. Viele Lebensmittel würden damit als „rot" klassifiziert, obwohl sie gar nicht in diesen Mengen verzehrt werden. Die Frage, ob ein Lebensmittel ernährungsphysiologisch günstiger oder ungünstiger ist, hängt entscheidend von der verzehrten Menge und vor allem von der Gesamternährung ab.

Im Übrigen kann mit der Kennzeichnung allein - egal in welcher Form sie angebracht wird - das Problem des Übergewichts und der ernährungsmitbedingten Krankheiten nicht gelöst werden, da hierbei viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Die Verbesserung der Angaben über den Energiegehalt und der Nährwerte bei vorverpackten Lebensmitteln ist dabei nur ein Baustein von vielen.

 

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